Fall 4 - Die Entführung

Kommissar Fuchs – Fall 4 „Die Entführung“

Es war ein Freitag. Die 18-jährige Jessica LaGrave surfte wie immer mit ihrem Smartphone im Internet. Es war wie gewöhnlich nach der Schule. Doch niemand würde wissen, was heute mit ihr passieren würde…

Nach der Schule ging sie in ein Eiscafé und spielte ein paar Games auf ihrem Handy. Sie war mit ihrem Freund Lorenz unterwegs. Doch dann bekam sie eine Nachricht bei ihrem Messaging-Dienst WApp. Von einer nicht gekennzeichneten Nummer. Mit einem Kettenbrief:

„Warnung! Ignoriere diese Meldung nicht.

Wenn du das tust, wirst du heute sterben.

Dein Leben ist in Gefahr! Schneide dir deinen

kleinen Finger ab und gebe diesen bis 15:00 Uhr in

einem Paket an folgende Adresse:

Park Avenue 72a Briefkasten 22

mfG Anony78“

Jessica zeigte Lorenz diese Nachricht, doch dieser erwiderte bloß: „Ach komm schon, das ist nur so ein bekiffter Kettenbrief, dir wird nix passieren mein Schatz! Eh alles nur Fake.“ „Hmm, meinst du? Ich kriege irgendwie ein mulmiges Gefühl!“ Die beiden gingen nun getrennte Wege, Lorenz ging nach Hause, während Jessi noch mit der Subway zu einem Einkaufszentrum fahren wollte.

Sie ging noch kurz auf Toilette, bevor sie in den Zug einstieg. Im Einkaufszentrum wollte sie sich mit ihrer besten Freundin Alyson (19 Jahre alt) treffen. Um 16:00 Uhr.

Mittlerweile war es bereits 17:15 Uhr geworden, und Jessica kam immer noch nicht an. Alyson setzte sich also schnurstracks mit Ywet in Verbindung, um zu überprüfen, ob noch alles in Ordnung sei. Gegen 17:30 kamen Inspektor Igel und Kommissar Fuchs am Einkaufszentrum an und fragten Alyson aus. Wegen der Geräteortung im Smartphone konnte auch Alyson den momentanen Standpunkt von Jessicas Handy verfolgen. Es befand sich auf der Toilette der Subway-Station.

Als die drei dort ankamen, suchten sie alle Toiletten ab. Sie fanden Jessica nicht. Ihr Smartphone lag noch auf dem Boden, etwa eine Stunde unbenutzt. Nachdem sie Jessi immer noch nicht gefunden hatten, wurde eine Fahndung eingeleitet. Jessica war verschwunden!

Nach zwei Tagen schlenderten Kommissar Fuchs, Inspektor Igel und jetzt auch Catherine durch die Stadt. Der Gedanke an Jessica ließ sie nicht los. Jessicas Handy durfte Inspektor jetzt aber durchsuchen, da keine weiteren Indizien auf dem Gerät gefunden wurden – also keine Fingerabdrücke oder ähnliches.

Er schaute auf die Nachrichten bei WApp. Er fand den Kettenbrief mit den Androhungen: „Oh Gott, wie furchtbar! Park Avenue 72a? Sollten wir da nicht mal hin um den Vorfall zu überprüfen? Briefkasten 22? Da steht hoffentlich der Name!“

Sie gingen zum Haus Park Avenue 72a und schauten bei Briefkasten 22. „Aha, da steht… Moment: McLord. Hmm, mal auf den Klingelschildern schauen…“ Sie fanden tatsächlich den Namen McLord und klingelten. Sie durften die Wohnung betreten. Mr. McLord begrüßte die drei Gäste freundlich und bat ihnen etwas Kaffee an.

Kommissar Fuchs kam gleich zur Sache: „Also, Herr McLord, nach derzeitigem Stand müssten wir sie wegen des Verdachtes auf Entführung vorübergehend festnehmen. Es ist nach aktuellem Stand möglich, dass die das Mädchen Jessica LaGrave entführt und möglicherweise getötet haben. Lesen Sie sich mal bitte diese SMS durch!“

Der Kommissar gab Mr. McLord und las die Nachricht. „Das ist ja furchtbar! Aber warum soll ich einen Finger bekommen? Was bringt mir dies? Und überhaupt, ich bin Rentner und habe kein Smartphone oder wie die Dinger da heißen. Nur einen Computer. Sie können hier ruhig alles untersuchen.“

Nach zwei Stunden Untersuchung waren sich die drei sicher: Das kann nicht Mr. McLord gewesen sein. Also gingen sie zum Freund der Entführten, Lorenz Harrison. Vielleicht wusste dieser etwas über sie. Catherine fragte ihn zunächst, wann er Jessi das letzte Mal sah. Seine Antwort: „Am Eiscafé Regiotto aßen wir Eis und verabschiedeten uns dann. Sie zeigte mir die Nachricht bei WApp, allerdings dachte ich natürlich, das wäre nur so ein oller Kettenbrief, sowas wird mir sehr oft gesendet. Ich bereue meinen Fehler zutiefst!“

Nach dieser Aussage begaben sich Kommissar Fuchs, Inspektor Igel und Catherine wieder nach draußen und berieten sich über die aktuelle Lage. Catherine fasste zunächst mal alle gewonnenen Erkenntnisse zusammen: „Also: Zwischen 15:00 Uhr und 17:15 Uhr wurde Jessica von der U-Bahn-Station entführt. Wegen einer Nachricht einer privaten Nummer bei WApp besteht die Wahrscheinlichkeit, dass sie umgebracht worden wäre. Sie… Oh, ich habe eine Nachricht bekommen!“

Catherine öffnete ihre Handtasche und nahm ihr Smartphone heraus. Eine WApp-Nachricht. Sie war für einen Moment schockiert. „Ich muss euch was vorlesen. Furchtbar! Das ist der Text der Nachricht:

„Warnung! Ignoriere diese Meldung nicht.

Wenn du das tust, wirst du heute sterben.

Dein Leben ist in Gefahr! Schneide dir deinen

kleinen Finger ab und gebe diesen bis 15:00 Uhr in

einem Paket an folgende Adresse:

Park Avenue 72a Briefkasten 22

mfG Anony78“

Wisst ihr was das bedeutet? Es muss ein Massenangreifer sein! Ich bin das zweite Opfer!“ Der Vorfall wurde sofort bei Ywet gemeldet. Catherine stand seitdem unter Polizeischutz. Sie musste zur Untersuchung abgeben – ebenso wurde Jessis Smartphone kontrolliert.

Professor Zebra kam nach seinem Urlaub an und konnte die Geräte nun auch auf das Innere untersuchen: „Hmm, wenn ich nun ein paar Funktionen aktiviere kann ich Zugriff auf die Nummer bekommen!“ „Machen Sie das ruhig“, entgegnete Kommissar Fuchs, „wir werden währenddessen weitere Vorfälle prüfen!“.

Inspektor Igel war ihm bereits zuvorgekommen, indem er im Internet nach solchen Vorfällen suchte. „Da!“, schrie er, denn er fand ein wichtiges Suchergebnis, „In Europa und in Asien gab es bereits solche Vorfälle! Die Opfer benutzten alle WApp, wo ihnen die Nachricht gesendet wurde.

Ein wichtiges Indiz. Professor Zebra hat mittlerweile auch die Telefonnummer des Senders der mysteriösen Nachricht gefunden: „Es handelt sich um die +49 56789 6471. Ziemlich stümperhaft versteckt, man konnte es im Telefonlog sehen.“ Sofort suchte Catherine die mysteriöse Nummer im Internet. Und tatsächlich fand sie ein Suchergebnis: Bei der Homepage von WApp Inc., unter „Kontaktieren“: +49 56789 6471.

Unter „Kontaktieren“ war auch die Adresse des Konzerns WApp Inc. verlinkt. Catherine, Inspektor Igel und Kommissar Fuchs überlegten jedoch, wie WApp Inc. an den Standpunkt von Jessica geleitet wurde. Doch dann bekam Kommissar Fuchs eine bahnbrechende Idee: Er las sich noch mal die AGBs von WApp durch.

Bei Zeile 53k wurde er fündig: „WApp darf deinen Standort deines Smartphones orten“. Damit war bewiesen: WApp war verantwortlich für die Entführung Jessicas. „Nun müssen wir uns den Firmenchef vorknöpfen!“

Sofort gingen die Ywet-Agenten zur Firmenzentrale von WApp. Sie kamen an einem verlassenen, abgewirtschafteten Haus an. „Donnerwetter, das sieht ja mal interessant aus!“ Sie klingelten an einem maroden Knopf mit der Beschriftung „WApp Inc. – Fragen und Beratung“. Die Tür öffnete sich. Das Innere des Hauses war sogar noch schlimmer, überall war es verschimmelt.

Eine alte, grantige Dame saß an einem veralteten Computer und schrie: „Was darfs sein?“ „Wir suchen den Mr. Redington, den Firmenchef!“ „Owwe findet ihr den, und jetzt Abmarsch!“ Die drei begaben sich in den oberen Stock des Gebäudes. Dort saß ein dicklicher, wenn auch reich erscheinender Mann mit einem Brillantring.

„Guten Tag! Was kann ich für Sie drei tun?“ Kommissar Fuchs zeigte seinen Ywet-Pass: „Sie sind verdächtigt, die 18-jährige Jessica LaGrave entführt zu haben!“ „Moment Mal, bevor Sie hier mit wilden Anschuldigungen kommen, habe ich noch was für Sie!“

Mr. Redington zückte ein Messer und drohte Kommissar Fuchs damit. „Das ist doch nur Spekulation! Zur Not überzeuge ich Sie mit meinem Messer dazu!“. Inspektor Igel ging einen Schritt zurück, die Sekretärin öffnete die Tür von hinten und schrie: „Wen haben wir denn da? Ungebetene Gäste!“

Catherine war ebenfalls umzingelt. Plötzlich ertönte ein Klirren. Die Sekretärin hatte eine Pistole. Sie schoss damit in das Fenster und hielt sie Catherine an den Kopf. Die drei waren nicht zu retten. Würden sie sterben?

Doch dann hörten sie eine rettende Stimme. Jessica LaGrave kroch aus einer Abstellkammer mit einer Pistole: „Waffen runter!“ Die Sekretärin schoss. Doch sie traf nicht. „Verdammt, das war meine letzte Kugel!“ Sie hob die Hände ebenfalls. Redington ließ das Messer fallen.

„Ihr Kommissare, ich habe schon euer Ywet verständigt, ich konnte alles mithören. Ich konnte mich zum Glück noch aus meinen Fesseln befreien. Und du, Stiefvater, gehörst auch hinter Gitter! Du wolltest mich heute vergewaltigen, ich habe dich mit der Sekretärin flüstern gehört!“

Ywet traf nur Minuten später ein. Redington wurde festgenommen und wenig später wegen versuchter Vergewaltigung an seiner Stieftochter und Entführung zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Die Sekretärin wurde wegen Mithilfe auf Bewährung bestraft. WApp Inc. wurde aufgelöst und der WApp-Messaging Dienst beendet, die App wurde für immer entfernt.